Piesteritzer Werkssiedlung (012QR1)
Piesteritzer Werkssiedlung
Die Piesteritzer Werkssiedlung wurde 1916 gebaut. Ziel war es, Wohnraum für die etwa 2000 Beschäftigten des angrenzenden Stickstoffwerkes zu schaffen.
363 Häuser entstanden; die Reihenhäuser für die Arbeiter standen neben den Einfamilienhäusern der Betriebsleiter. Die Siedlung bot für ihre Zeit ungewöhnlichen Komfort: Alle Häuser verfügten über Innentoiletten und fest installierte
Badewannen. Dazu konnten die Arbeiter in ihren Gärten Gemüse und Obst anbauen.
Weiterhin entstanden ein Kauf- und Vereinshaus (heute Piesteritzer Hof), ein Rathaus (heute Lucas-Cranach-Gymnasium), eine Mädchenschule, ein Damen- und ein Herrenheim. Für die zugewanderten Arbeiter aus Bayern, Westfalen, Schle-sien und Polen baute man eine katholische Kirche; sie wurde 1923 eingeweiht.
Im zweiten Weltkrieg blieb die Piesteritzer Werkssiedlung unversehrt. In DDR-Zeiten hielten Bautrupps des Stickstoffwerkes die Häuser instand. 1987 wurde der Komplex unter Denkmalschutz gestellt. Im Jahr der Expo 2000 wurde er originalgetreu saniert und zur ersten autofreien Siedlung in Deutschland. Das geschlossene Ensemble gilt als eines der städtebaulichen Denkmäler der Neuen Sachlichkeit.